Sirmon Raymann

Sirmon Raymann, "Brüssel", 2011, Aquarell, Collage auf Recyclingpapier, 29,7x42cm
Sirmon Raymann,"Schön hier", 2009, Aquarell auf Recyclingpapier, 29,7x42cm
Sirmon Raymann,"Brot für die Welt", Filmkulisse, 2011, Collage, bestehend aus Schwarzbrot, Graubrot, Volleiwaffel, American Sandwich, Schimmel, Siebdruck, Digitaldruck
Sirmon Raymann,"Overpainting History", Filmkulisse, 2014, Digitaldruckreproduktionen von 2 Aquarellen, je 70*100cm, Taubendraht, Pappe & Acrylfarbe

Zur Arbeit des Künstlers

Der 1982 in Köln geborene Künstler Sirmon Raymann stellt mit seiner Arbeit konsequent die uns prägenden ästhetischen Rahmenbedingungen in Frage. Wer den Arbeitsprozess eines seiner Kunstwerke nachvollziehen möchte, wird verdutzt feststellen, dass Raymann künstlerische Handlungsabläufe, wie z.B. die Dekonstruktion und die folgeunrichtige Montage eines Bildes, lediglich als strategische Tools einsetzt, um wiederum durch deren Verwendung zu erweiterten Erkenntnissen zu gelangen. Man kann im Fall Raymanns nur von Erkenntnissen und nicht von Ergebnissen sprechen. Die Ergebnisse, also seine Bilder, untersuchen eher eine lange Tradition der Bildästhetik in unserer Zeit, als dass sie das Resultat des Ausdrucks seines Unbewussten oder seiner Fantasie verbildlichen. Raymanns Malerei beschränkt sich nicht auf das Medium im klassischen Sinne. Generell lässt sich beobachten, dass der Künstler verschiedene Inhalte und Formen in- und übereinander schichtet. Daher sind auch die Übergänge der benutzten Medien fließend und schwer differenzierbar. Nicht nur deshalb ist es schwierig, Raymann dingfest zu machen. Befragt man ihn zu seiner künstlerischen Position, dann insistiert er dennoch darauf, Maler zu sein.

"Wer von einem Maler heute noch reine Leinwandmalerei erwartet, hat entweder Angst vor Veränderungen, welche uns längst überholt haben, oder zu lange in Leipzig gelebt." sagte mir Raymann einmal, der selbst seit 2005 in Leipzig sein Betätigungsfeld hat. In Gesprächen über seine Kunst bemerkt man ein penetrantes Misstrauen, sowohl gegenüber seinen Arbeiten als auch gegenüber dem benutzten Medium. Genau dieses Misstrauen gilt Raymann als eine wichtige Vorraussetzung dafür, sein Bewusstsein für die Abläufe und Konsequenzen des eigenen Handelns stetig zu erweitern und neu zu hinterfragen. Uns, als Betrachter seiner Ergebnisse, bleibt die Freude daran erhalten, seine Erkenntnisse deuten zu können und so vielleicht selber zu einer neuen Sichtweise auf die uns umgebenden Bilder zu gelangen.
Ètienne Kaufland, Juli 2015

 

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